Als ich wach wurde war es noch dunkel, eine kühle Luft zog
durch das Fenster in sein Schlafzimmer hinein und ich fröstelte ein wenig. Wow-
wie er so daliegt, er sieht so friedlich aus. Seine tief dunklen Haare stehen
in alle Richtungen ab, ganz anders als die perfekt gelegten Haare die er
tagsüber trägt. Seine Lippen stehen ein klein wenig offen& ich kann sein
Atem hören. Diese Lippen, wie sinnlich sie sind und so weich, wenn er mit ihnen
meine berührt. Sein schlanker Körper ist bis auf seine Shorts nackt, die
Bettdecke ist wild um seine Beine gewickelt. Ich setze mich im Bett auf um ihn
besser ansehen zu können, durch meine Bewegung der Matratze stöhnt er leicht
auf, schläft jedoch weiter. Ich schlinge meine Arme um meine Knie und stütze
mein Kinn auf. Meine langen Haare rutschen mir in mein Gesicht, ich puste sie
achtlos weg. Ich fange an zu weinen, erst läuft mir langsam eine Träne über
mein Gesicht, dann werden es immer mehr- ich versuche leise zu sein, nicht
schluchzen, denn ich will ihn nicht wecken. Er soll nicht wissen wie es mir
geht, wenn ich Zeit habe nach zu denken.
Als ich ihn vor beinahe einem Jahr kennenlernte habe ich
mich direkt in ihn verliebt- sein Aussehen, dieses selbstsichere Auftreten&
sein Charme. Er wusste ganz genau wie er sein muss damit ich ihm komplett
erliege. Und das war mein Fehler! Ich habe mich in ihn verliebt- ich liebe ihn
nicht, aber es wird bestimmt Liebe werden können, wenn ich jetzt nicht langsam aufhöre
sein Mädchen zu sein. Er spielt mit mir und meinen Gefühlen. Er hält mich warm für
Stunden in denen er einsam ist, denn er weiß genau dass ich sofort zu ihm
komme, wenn er es von mir verlangt. Sieben Tage die Woche, jeden Nacht würde
ich aus Dummheit zu ihm fahren, denn ich weiß ganz genau dass er im Hausflur
stehen wird, mit einem duemmlichen Grinsen in seinem Gesicht um mir zu sagen
"ich kaufe nichts- Sie koennen direkt wieder gehen". Und jedes Mal
ist es gleich- ich überlege kurz ob ich nicht wieder umdrehen soll, denn ich
weiß ja eigentlich das es falsch ist- doch dann schaut er mich an und nimmt
mich in seine Arme. Er riecht an meinen Haaren bevor er mir einen Kuss gibt,
sich von mir abwendet und ins Wohnzimmer geht.
Manchmal meldet er sich wochenlang nicht bei mir& doch
lande ich immer wieder hier in seinem Bett. Ich habe ihm schon oft gesagt dass
er aufhören solle mit mir zu spielen und
meine Gefühle für ihn endlich ernst nehmen soll. Doch er kann es nicht,
denn er hat Angst. Er hat viel zu große Angst davor sich ein zu gestehen das
ich ihm genau so viel bedeute wie er mir, denn wer weiß das Gefühle zeigen auch
bedeutet verwundbar zu werden& das will er nicht. Immerhin muss er stark
sein, für sich und seine Familie. Also das ist meine Meinung, ich denke das er
so fühlt- oder zumindest wünsche ich mir das er es auf diese verquirlte Art und
Weise fühlt, denn dann würde er ja immerhin etwas fuer mich fuehlen.
Zitternd vor kälte und immer noch weinend stehe ich auf und schließe
das Fenster. Als ich mich zurueck in sein Bett lege mache ich mich ganz klein,
ich spuere wie er wach wird. Er rutscht mit seinem Koerper zu mir heran und drückt
mir einen Kuss auf die Wange während er mit seinem Daumen über meine Lippen
streicht. "Du weinst ja Babe und ganz kalt bist du auch. Was ist denn
los?" fragt er mich. Ich schlucke einmal kräftig und sage "Nichts ich
bin nur wach geworden. Ich habe Angst vor der Zukunft." Doch das hört er
schon nicht mehr, denn er ist wieder eingeschlafen.